Von dem ständig steigenden Umweltbewußtsein ist seit geraumer Zeit auch die Textilindustrie betroffen. Dies äußert sich durch wachsende Anforderungen an humanökologische und toxikologische Kriterien, die unsere Kleidung heute zu erfüllen hat. Treibende Kraft hierbei sind vor allem die VerbraucherInnen. Um diesen Anforderungen Rechnung zu tragen, hat sich ein Großteil der Europäischen Textilindustrie entschlossen, durch die freiwillige Überprüfung bestimmter, aus humanökologischer Sicht wichtiger Parameter für Textilien deren gesundheitliche Unbedenklichkeit sicherzustellen. Die Kriterien und Grenzwerte wurden im Öko-Tex-Siegel 100 zusammengefaßt.
Schadstoffeintrag durch Rohwaren und Veredlungsprozesse
Beim Anbau von Naturfasern werden oft Pestizide eingesetzt, die in erster Linie notwendig sind, um eine ausreichende Ernte garantieren zu können. Der Verbraucher jedoch möchte eine Ware kaufen, die frei von bedenklichen Stoffen ist. So wird die Rohware ausreichend gewaschen, um die Rückstände zu entfernen bzw eine Verringerung zu erzielen, die der Größenordnung von Lebensmitteln entspricht.
Die in Veredlungsprozessen verwendeten Hilfsmittel sind im allgemeinen humanökologisch unbedenklich, auf bedenkliche Hilfsmittel wird nach Möglichkeit verzichtet. Ist deren Einsatz aufgrund der Kundenwünsche jedoch unumgänglich (wie zB bei der Hochveredlung zur Knitterfrei-Ausrüstung), wird durch Auswahl geeigneter Verfahrenstechniken und Hilfsmittel sichergestellt, dass der Grenzwert gemäß Öko-Tex, der deutlich unter den gesetzlichen Vorgaben liegt, unterschritten wird.
Kriterien und Grenzwerte
Die Grenzwerte, die den Öko-Tex-Kriterien zugrunde liegen, wurden in Anlehnung an das Wasserhaushaltsgesetz und die Rückstands-Höchstmengenverordnung erlassen. Daraus ist einerseits ersichtlich, dass Textilien als Lebensmittel angesehen werden können. Andererseits wird der hohe analytische und damit finanzielle Aufwand, der notwendig ist, um Textilien als unbelastete "Bedarfsgegenstände" auf dem Markt anbieten zu können, verdeutlicht.
Folgende Parameter werden im Rahmen des Kriterienkatalogs nach Öko-Tex bestimmt und auf die Einhaltung der Grenzwerte hin überprüft:
- pH-Wert
- Formaldehyd
- Schwermetalle
- Wasserechtheit
- Reibechtheit, trocken und naß
- Schweißechtheit, alkalisch und sauer
- Pestizide und Pentachlorphenol (PCP)
- Verbot der Biozid- und Flammschutzausrüstung
- Speichel- und Schweißechtheit (bei Babykleidung)
- Verbot der Verwendung allergisierender Farbstoffe
- Verbot von halogenorganischen Carriern
- Verbot von Cr VI - Verbindungen
- Verbot von Farbstoffen, die unter red. Bedingungen in MAK-Amine abspalten